
Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren tagt in der Stadt – Kollektives Lob
Am Wochenende fühlte sich mancher in Büdingens Altstadt weit in die Vergangenheit zurückversetzt. Illustre Gestalten mit Hellebarden und Laternen, Hörnern und Gitarre wandelten durch die engen Gassen, da und dort erklang das Nachtwächterlied. Mehr als 30 Mitglieder der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren, von Delmenhorst im Norden bis Berchtesgaden im Süden, von Pirna nahe der tschechischen Grenze bis zur Eifel, waren zum Jahrestreffen der Gilde in die ehemalige Kreisstadt angereist. Natürlich in historischer Gewandung. Kreis-Anzeiger, Jutta Martini
Und die Nachtwächter tagten nicht nur hinter verschlossenen Türen. Bei einem ausgebuchten öffentlichen Rundgang durch die Altstadt stellten die Gildemitglieder in Zusammenarbeit mit der Tourist-Information ihre Figuren und die Städte, die sie repräsentieren, vor (siehe Bericht auf dieser Seite). Und auch über Büdingen erfuhren die Teilnehmer, die sonst in ihren eigenen Orten Touristen und Einheimischen die lokale Geschichte näherbringen, bei einer Besichtigung der Türme und Festungsanlagen, viel, ließen sich vom Zauber der gut erhaltenen Altstadt mit ihren Festungsmauern und -türmen gefangen nehmen.
„Sie pflegen alte Traditionen, Überlieferungen, Gesänge und das mittelalterliche Leben“, begrüßte Bürgermeister Erich Spamer beim Empfang im Oberhof die Gäste und ergänzte: „Ich weiß, dass Sie aus wunderbaren Städten kommen. Doch tragen Sie unseren guten Ruf und die Schönheit Büdingens in alle Welt hinaus.“ Der Schirmherr, Landrat Joachim Arnold, bezeichnete es als große Ehre, dass die „Perle der Wetterau“ für das Jahrestreffen ausgewählt wurde. In früheren Zeiten hätten die Figuren, die die Gästeführer darstellten, den Menschen Sicherheit und Halt gegeben. „Vieles an Ruhe, was Sie darstellen, täte auch heute gut“, stellte Arnold fest, der den Blick über Büdingen hinaus lenkte und die Wetterau als 7000 Jahre alte Kulturlandschaft darstellte. Mit verschiedensten Veranstaltungen würde die lange Geschichte der Wetterau erlebbar gemacht.
Die Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren wurde 2004 gegründet. Neben den Jahrestreffen des gesamten Vereins gibt es verschiedene Treffen der Regionalgruppen Süd, zu der Büdingen gehört, Nord-West und der neu gegründeten Gruppe Ost. Die Mitglieder rekrutieren sich aus ganz Deutschland und Österreich. „Wir wollen Menschen zusammenführen und den Austausch fördern“, erklärte Gildemeister Alfred Schneider, der als Nachtwächter Besucher durch Rinteln führt und in den dortigen Museen als Historiker und Museumspädagoge tätig ist. Als weitere Aufgabe hat sich die Gilde die Weiterbildung ihrer derzeit 63 Mitglieder gestellt. In Seminaren wie Rhetorik, Baustilkunde, Kloster- und Kirchengeschichte können die Gildemitglieder Wissen und Fähigkeiten erwerben, um sie auf lokaler Ebene anzuwenden. „Unser Ziel ist es auch, alte Traditionen zu bewahren und weiterzugeben“, ergänzte der stellvertretende Gildemeister Horst Hildenberg aus Altlandsberg. „Zum Glück interessieren sich viele Menschen dafür.“ Nicht nur in Büdingen erfahren Themenführungen wie die der derzeit neun Nachtwächter großes Interesse und Nachfrage. Die historische Genauigkeit der Gewandungen stellte allerdings Herdana Stöhr aus Backnang in Frage: „Die Nachtwächter waren ganz arme Schweine und nicht so gut angezogen, wie die heutigen.“ Doch die heutigen Nachtwächter und Figuren sind schließlich auch Repräsentanten ihrer Städte.
Für Büdingen dürfte die Jahreshauptversammlung der Gilde zu einer hervorragenden Werbeveranstaltung geworden sein. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert bis enthusiastisch. „Ich möchte am liebsten Teile Büdingens mit in unsere Stadt nehmen“, lachte Elvira Wittich, die mit rotem Bart, langem Mantel und knorrigem Holzstock als Süntelgeist Stadtführungen durch Bad Münder macht. Leider sei Bad Münder im 30-jährigen Krieg zerstört worden und kaum noch Historisches erhalten, berichtete die Stadtführerin mit leicht neidischem Blick auf die Stadtmauer. „Es ist eine traumhafte Stadt und es fällt schon schwer, nicht von Büdingen zu schwärmen“, war Anna Glossner bezaubert vom mittelalterlichen Charme der Altstadt, die sich zum Jahrestreffen von ihrer schönsten Seite, leicht verschneit im Sonnenschein, präsentierte. Als eingeborene Berchtesgadenerin könne sie natürlich nicht Bürgermeister Erich Spamer zustimmen, der einen seiner Amtsvorgänger, Eberhard Bauner, zitiert hatte, Büdingen sei „die schönste Stadt Deutschlands“. Aber mit Rothenburg ob der Tauber oder Dinkelsbühl könne Büdingen allemal mithalten.
„Die Büdinger Altstadt ist super erhalten“, war auch Obernachtwächter Christian M. Fasel aus Schwelm begeistert. Besonders interessierte ihn das Fachwerk, denn auch Schwelm ist eine Fachwerkstadt. Doch viele Teile seien im Krieg zerstört worden, bedauerte Fasel.
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