• Deutsch (DE-CH-AT)
  • English (United Kingdom)
  • French (Fr)
Icon HotlineHotline: +49 6042 96370    Icon Text Ansicht: vergrößern | standard
  • JoomlaWorks Simple Image Rotator

Die Ratte auf der Hutkrempe, eine Klinge an der Gitarre

Eberhard Gömmer führt mehr als 30 Nachtwächter durch die Altstadt – Vorstellungsrunde an historischen Schauplätzen – Teilnehmer geraten ins Schwärmen.

BÜDINGEN (co). Mit 40 Millionen Jahren auf dem Buckel war der Süntelgeist zu Bad Münder im Weserbergland zweifelsohne der älteste Nachtwächter, der an der Jahreshauptversammlung des Vereins Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren am Wochenende in Büdingen teilnahm. Von Zeit zu Zeit schlüpft der Berggeist in Menschengestalt und nennt sich dann Elvira Wittich. Seine Herkunft liegt bei den Trollen im hohen Norden Skandinaviens, mit der Eiszeit ist er ins Weserbergland gekommen und haust dort in den Höhlen der Berge. In Bad Münder bringt er den Gästen die Geschichte der Stadt und der Region nahe.

Ganz im Süden Deutschlands, in Berchtesgaden, liegt die Heimat der Nachtwächterin Anna Glossner, die in ihrem leuchtend roten Gewand ein echter Hingucker in der Runde darstellt. Seit 1691 waren Nachtwächter in Berchtesgaden zum Schutz der Bürger vor Feuer und dem Beelzebub unterwegs, berichtet sie. Es gab in früheren Zeiten stets zwei von ihnen, aus gutem Grund: „Wenn bei einem die eheliche Pflicht rief, hatte der andere Nachtwächter Dienst. Somit waren die Bürger immer vor Bösewichten geschützt.“

Beide Damen sind mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Bundesgebiet auf einem Rundgang durch die Altstadt unterwegs, an dem auch etliche Bürger aus dem Büdinger Land teilnehmen. Der Büdinger Eberhard Gömmer, ausgestattet mit Hellebarde, Horn und Laterne, bringt seinen Gästen Geschichte und Geschichtchen aus Büdingen näher, während seine Mitstreiter aus der Gilde jeweils eine Minute Zeit haben, ihre Stadt vorzustellen. Dabei wurde deutlich, wie sehenswert und vielfältig Deutschland ist.

Einige tragen das Wappen der 2004 gegründeten Gilde, in der entgegen der Zunft auch Frauen und Figuren Mitglieder sein dürfen – etwa der Süntelgeist oder das Rüthener Haarmännchen.

So bilden im Gilde-Wappen die Nachtwächter mit ihren Hellebarden, Lampen und Hörnern, mit den Türmern aus dem Turm, und die Figuren, für die die Masken zeichnen, eine Gemeinschaft. Zu ihr gehört auch Nachtwächter Kulke zu Spremberg, „der Perle der Lausitz“ an der Spree. Hagen Rittel, von Beruf Förderschullehrer, hat großen Spaß an diesem „Job“ und ist in seinem Mantel in leuchtendem Preußisch-Blau eine hervorstechende Figur. Er trägt eine Gitarre bei sich, auf der er immer wieder ein Liedchen anstimmt und zum Mitsingen animiert.

„Das, was ihr heute Managersyndrom nennt, war früher ganz einfach als Habgier bekannt.“ Rüthener HaarmännchenAm oberen Ende des Gitarrenstegs hat er eine Hellebarden-Klinge montiert, außerdem baumelt daran eine kleine Lampe, „denn dabei haben will ich unsere unentbehrlichen Utensilien ja schon, kann aber nicht Gitarre, Hellebarde und Lampe zusammen tragen, deshalb habe ich diese Lösung gefunden“, klärt er verschmitzt auf.

Wie seine Kollegen fühlt er sich sehr wohl in diesem Kreis und in Büdingen: „Es ist wunderschön hier. Ihr habt eine malerische Stadt und großes Glück, dass sie komplett erhalten ist“, macht er deutlich. Auch der Austausch mit Gleichgesinnten sei anregend und erfrischend, dazu lerne man viel über die einzelnen Regionen. Aus Linz ist mit Hans Hamitat ein Nachtwächter aus Österreich angereist. Er kennt zwar die hiesige Region, aber in der ehemaligen Kreisstadt war er noch nicht. „Büdingen ist das Tüpfelchen auf dem i“, tut er seine Begeisterung kund. Horst Hildenbrand wurde in der Büdinger Nachbarstadt Gelnhausen geboren. Ihn verschlug es über Frankfurt, Bad Homburg und Berlin schließlich nach Altlandsberg in Brandenburg, wo er seit Jahren als gefragter Nachtwächter auch für Funk und Fernsehen unterwegs ist. Nicht allzu weit von ihm entfernt streifen seine Kollegen Detlev Nutsch und Lutz Kühn in Storkow (Mark) mit Gästen durch die Nacht. Kühn war mit seinem dichten Schaffell nicht allein gut gegen die Kälte gerüstet, sondern auch eine besonders auffällige Erscheinung innerhalb der Gruppe. Zu ihr gehört auch die Nachtwächterin aus Hameln, gut zu erkennen durch die Ratte auf der Hutkrempe, die die Geschichte vom Rattenfänger vorträgt, während das Rüthener Haarmännchen weiß: „Das, was ihr heute Managersyndrom nennt, war früher ganz einfach als Habgier bekannt.“


JoomlaWatch Stats 1.2.9 by Matej Koval
Newsletter

Büdinger Tourismus und Marketing GmbH | Marktplatz 9 | 63654 Büdingen | Email: info@buedingen-touristik.de | Tel.: 06042 /96370
Öffnungszeiten: Mo - Fr : 10 Uhr bis 17 Uhr / Sa & So : 10 Uhr bis 16 Uhr