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Deftige Gebräuche und lautes Fallarie Tirallala

BÜDINGEN. Wenn in der Büdinger Bleffe von den Gästen ein hochwohllöbliches Benehmen abverlangt wird und statt eines gewohnten Prost der Trinkspruch Zum Gedeih durch den urigen Wintergarten des Traditionsgasthauses hallt, dann ist wieder Büdinger Burgmannenschmaus. Unter dem Motto Tafeln wie im Mittelalter lädt das Theater ohne doppelten Boden oder kurz „TheodoBo“ in Zusammenarbeit mit der Büdinger Tourismus und Marketing GmbH zu einem kulinarischen Eintauchen in längst vergangene Zeiten ein.

tafeln

In den Hauptrollen: Ein redseliger und wortgewandter Mundschenk (Markus Karger) und die nimmermüde Wirtin (Sylvia Oster). Wir möchten den Gästen die Einführung in die mittelalterliche Sitten und Gebräuche auf humorvolle und köstliche Weise präsentieren, beschreibt die Leiterin der Büdinger Tourist-Information, Christina Burkhardt, das rund zweieinhalb Stunden dauernde kulturelle Speiseerlebnis. Die Veranstaltung lasse sich gut mit einer Nachtwächterführung durch die historische Altstadt verbinden, betont Burkhardt.

Bevor der Kurzweil bei Wein, Weib und Gesang an den rustikal gedeckten Tischen beginnen kann, werden die Teilnehmer von Karger und Oster zunächst von den rauen Sitten und den Tischregularien der Tafelrunde in Kenntnis gesetzt. Die deftigen Gebräuche der Ritter und Burgmannen sollen verinnerlicht werden, bevor das üppige Vier-Gänge-Mahl auf den Tisch kommt. Gegessen wird mit einen speziellen Löffel, denn die Gabel war im Mittelalter als Teufelsrechen gefürchtet und somit verpönt. Lediglich ein Messer darf zur Hilfe genommen werden. Die Gäste werden angehalten, sich je nach Geschlecht mit Bruder oder Schwester anzureden.

Das haxenmittelalterliche Speisen ist ebenso nichts für Machos, denn hier werden die Männer vom Mundschenk aufgefordert ihre weibliche Begleitung zu bedienen. Zunächst muss ein Truchsess bestimmt werden, sagt der Mundschenk mit lauter Stimme und schon wird mit Fürst Karl-Heinz ein zuvor ahnungsloser Gast zum Hausherren des Burgmannenschmaus. Truchsess war ursprünglich die Bezeichnung für den obersten Aufseher über die fürstliche Tafel und den Vorsteher der Hofhaltung. Dass der Mundschenk beiläufig erwähnt, dass der Hausherr am Ende die Zeche zu zahlen hat, fasst Karl-Heinz mit einem Lächeln folgerichtig als kleinen Scherz am Rande auf. Überhaupt treten Karger und Oster ihrem Publikum mit feingeistigem Humor entgegen.

Kein Mahl ohne Vorkoster: Diesmal obliegt es dem mittelalterlich gewandeten Gast Stefan, die gereichten Speisen als Erster zu probieren, um dann mit Mimik und Gesten der geselligen Runde die Genießbarkeit zu signalisieren. Bis zur 50 Personen können gleichzeitig im Bleffe-Wintergarten bewirtet werden. Gast Andreas wird flugs zum Pfaffen bestimmt, als er jedoch zum Sprechen eines Tischgebetes aufgefordert wird, zieht er die Option, sich mit einem Taler davon frei zu kaufen.

Der Mundschenk übernimmt und schon können die Burgmannen zum selbstgebackenen Bauernbrot und den Schmalztöpfen greifen. Nach einem Graupensüppchen wie zu Großmutters Zeiten kommen Büdinger Glitscherklöße auf den Tisch. Sie sind nach geheimer Rezeptur der Wirtin bereitet und werden zusammen mit Brei von Äpfeln sowie einer Soße von Zwiebeln und Speck serviert. Derweil brutzeln - mit Argusaugen vom erfahrenen Grillmeister Harald Kasper beobachtet - bereits Haxen und Rippchen vom Schwein und Hähnchen über der lodernden Glut des Buchenholzgrills, der von Anfang an die Kulisse des Gastraumes in eine gemütliche Atmosphäre taucht. Mehrfach dreht und wendet Kasper die Stäbe, schließlich sollen die Fleischstücke möglichst von allen Seiten knusprig gegrillt auf den Tellern serviert werden.

Leergetrunkene Kelche werden übrigens von den Bediensteten der Bleffe an diesem Abend nur aufgefüllt, wenn sie seitwärts auf dem Tisch liegen - eine weitere Besonderheit des Burgmannenschmauses. Zwischen den beiden Gängen sorgen die beiden Schauspieler für Unterhaltung. Der Mundschenk stimmt das Pfaffenlied an und fordert von den Gästen eine musikalische Rückkopplung in Form eines trällernden Fallarie Tirallala.

Die Wirtin trägt ein Liebesgedicht und später das Bleffe-Lied vor und zu guter Letzt fordern Mundschenk und Wirtin zu einem Tanz rund um die Tischreihen auf. Ein Schnäpschen zur Verdauung und ein Bratapfel mit Zucker und Zimt als Nachtisch deuten darauf hin, dass sich der Burgmannenschmaus dem Ende nähert. Freilich können die Gäste noch in der Bleffe verweilen, um in gemütlicher Runde das mittelalterliche Spektakel Revue passieren zu lassen.

Karten gibt es bei der Tourist-Information Büdingen, Marktplatz 9, 63654 Büdingen, Telefon: 06042-96370, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it . Eine Voranmeldung ist erforderlich. Im Preis von 35,- EUR sind das Vier-Gänge-Menü und das Unterhaltungsprogramm inbegriffen.

Die nächsten Termine sind am 6. März und 18. April sowie nach der Sommerpause am 17. Oktober, 28. November und 12. Dezember. Der Burgannenschmaus kann auch jederzeit für Familien- und Betriebsfeiern gebucht werden.

Weitere Informationen im Büro der Tourist-Information oder im Internet unter http://www.buedingen-touristik.de

von Frank Schneider

25. Feb 2009

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Büdinger Tourismus und Marketing GmbH | Marktplatz 9 | 63654 Büdingen | Email: info@buedingen-touristik.de | Tel.: 06042 /96370
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