
Kreis-Anzeiger, 20.09.2010 Oliver Potengowski
Sehr zufrieden zeigten sich die Organisatoren am Abend des Tages des Geotops in Büdingen. Mehrere hundert Besucher für ein Thema zu interessieren, das nur bei Naturkatastrophen kurz in den Blick der Öffentlichkeit gerät, darf als Erfolg gewertet werden.
Schon zur Auftaktveranstaltung im alten Rathaus konnte Bürgermeister Erich Spamer gemeinsam mit Henning Ulrich, dem stellvertretenden Leiter der Sektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft (DVG), rund 100 Gäste begrüßen. Ulrich würdigte Keils Arbeit, „die geholfen hat, dass die Geologie mehr Aufmerksamkeit bekommt“. Als Rotraud Morell ihn damals erstmals in Keils Sandrosenmuseum geführt habe, sei er erstaunt gewesen. Dieses Erstaunen sei noch gewachsen, als Keil ihn schließlich in eine Sandgrube in der Region geführt habe. Diese Vielfalt und diese Farben seien ihm nicht bekannt gewesen.
Das ist das besondere Verdienst Keils, dass er die Erdgeschichte und die außergewöhnlichen Strukturen nicht nur für den Touristen erschließt. Auch Bewohner der Region erfahren immer wieder Neues und lernen ihre Heimat besser kennen. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt in Büdingen“, staunte der Diplom-Chemiker und Geologe Dr. Wolfgang Heinemann aus Hanau über den Wilden Stein. Der Vulkanschlot des Vogelsbergs, der über der Stadt thront, wurde zum Geotop des Jahres erklärt.
In zwei Vorträgen erläuterten Kerstin Bär von der DVG und Bernd Uwe Domes von der Regionalentwicklung Oberhessen, welche Möglichkeiten die Geologie für die Entwicklung der Region bringt. Dr. Roland Becker vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie referierte in einem knappen, aber intensiven Vortrag über die geologische Entwicklung der Wetterau. Dabei zog er auch interessante Vergleiche zwischen den klimatischen Bedingungen und der Erd- und Menschheitsgeschichte. So kam er auf die kleine Eiszeit, die besonders in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sehr tiefe Temperaturen brachte, zu sprechen. Sie fiel mit dem Dreißigjährigen Krieg zusammen. Die Herrschaft der Römer hingegen deckte sich mit einer Warmzeit, erläuterte Becker. „Sonst wäre Hannibal wahrscheinlich nicht über die Alpen gekommen.“
Geologische Formationen ermöglichen einen Blick auf das Klima vor Millionen Jahren. So entstand der Sandstein zwischen 251 und 245 Millionen Jahren. Diese Zeitspanne sei relativ kurz dafür, „dass er ein Drittel von Hessen einnimmt“, erklärte Becker. Er beschrieb das Klima dieser Zeit als sehr trocken und wüstenähnlich. Wasser aus den umliegenden Regionen habe die Sedimente, aus denen der Stein besteht, in eine Senke geschwemmt.
„Das ist ein Stück Klimageschichte“, betonte auch der Geologe Dr. Günther Seidenschwann bei der anschließenden Besichtigung eines Geotops in der Nähe von Diebach. Er dankte Keil ausdrücklich für den Erhalt solcher Fenster in die Erdgeschichte. Gerade für Studenten sei es wichtig, solche Entwicklungen auch betrachten zu können. Leider seien solche Aufschlüsse wie in Steinbrüchen oft zugeschüttet.
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