
Premiere der Erlebnisführung „Ran an den Speck“ der Tourist-Information – Museumsbesuch und Schlachtessen
Jutta Martini für den Kreisanzeiger,
Die erste kulinarische Erlebnisführung „Ran an den Speck“ dürfen die Veranstalter als vollen Erfolg verbuchen. Die Premiere war restlos ausverkauft. Einige Teilnehmer kamen nur über Nachrückerlisten in den Genuss der von Nachtwächter Andreas Haas in sympathischem oberhessischen Dialekt launig vorgetragenen Informationen, Geschichten und Sagen über Büdingen und das anschließende Schlachtessen in den Schlossstuben. Im Mittelpunkt stand das Schlachten und das Verarbeiten von Fleisch in früheren Zeiten. Dabei war nicht nur das Essen eine Besonderheit der neuen Führung der Tourist-Information.
Mit den Metzgermeistern Erich Bopp und Christian Klein standen zwei Fachleute für die Führung durch das Metzgermuseum im Schlaghaus zur Verfügung, die die gezeigten Exponate nicht nur lebendig erklären und mit Anekdoten aufwarten konnten, sondern mit eigenen Erfahrungen und dem Vergleich zu heute eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlugen.
Schon der Treffpunkt fand an einem für das Schlachten historischen Ort statt. Wo sich heute die überdachte Markthalle „Auf dem Damm“ befindet, war bis zum Jahre 1777 die Schirn untergebracht, wo die Metzger schlachteten und ihre Produkte zum Verkauf anboten. Erstmals erwähnt wurde die Büdinger Schirn 1496/97, erklärte Haas. Wie diese Schirn aussah, konnten die Teilnehmer im Modell der historischen Büdinger Altstadt sehen, das im Roten Turm untergebracht und bei Stadtführungen zugänglich ist. Im Modell ließ sich auch die Erweiterung der Stadt und die stattliche Befestigung anschaulich nachvollziehen. Viele Stationen wie die Marienkirche, das Uralte Rathaus und das Steinerne Haus, die in den dunklen Gassen anschließend besucht wurden, konnten dort schon einmal en miniature bewundert werden.
„Schon im Mittelalter hatte Büdingen vier Stadtteile: Altstadt, Neustadt, Vorstadt und Kellerstadt“, erläuterte Haas und zeigte auf die einzelnen Bereiche. Die Ausdehnung der Stadt hatte Auswirkungen auf das Schlachthaus. Lag es beim Bau noch gegenüber der Karlspforte vor den Toren der Stadt, wurde es mit der Ausdehnung der Bebauung in die Neustadt von Gebäuden umschlossen. Schlachthaus, das bedeutete Dreck und Gestank und für die Fleischprodukte war die Lage am Küchenbach, der alles andere als sauberes Wasser führte, keineswegs ideal. So wurde mit der Verlegung in das Schlaghaus am Seemenbach die Hygiene erheblich verbessert.
Dort ist seit einigen Jahren das Metzgermuseum beheimatet – eine Privatinitiative der Büdinger Metzger mit Unterstützung der Stadt. „Wir wollen hier das Schlachten vor 1900 darstellen“, erläuterte Erich Bopp. Im Schlaghaus wurde hauptsächlich Großvieh wie Rinder geschlachtet, während Schweine zu Hause oder bei den Metzgern geschlachtet und verarbeitet wurden. „Den ganzen Winter gab es nur Hausschlachtungen“, erinnerte sich Walter Haas aus Ober-Seemen, Metzger im Ruhestand, noch gut beim Fachsimpeln mit Bopp. „Mit dem Schlagbolzen habe ich noch gearbeitet“, zeigte Bopp auf eine Vitrine. „Damals waren Patronen noch ein Kostenfaktor.“ Auch Martin Ott aus Nidda kannte noch einige der ausgestellten Geräte. „Ich bin Jäger, und deshalb interessiert mich das besonders“, begründete der junge Mann, warum ihn gerade diese Stadtführung gereizt hat. Und Ehefrau Heidi lobte den Nachtwächter: „Der macht das so locker.“ Und „locker“ erklärte Haas nicht nur die Besonderheiten des Schlachtens, sondern der Architekt zeigte auch viele Besonderheiten bei Gebäuden auf, die selbst manchem alteingesessenen Büdinger bei seinem Weg durch die Gassen noch nicht aufgefallen sind. So lohnt beispielsweise ein genauerer Blick auf den Renaissanceanbau der Marienkirche. Der größte Teil der Fenster dort ist – genau, aufgemalt. Fensterglas war damals nämlich teuer.
Gut gefallen hat den Teilnehmern die Führung. „Wenn’s nur ein paar Grad wärmer wäre“, wie eine Besucherin angesichts der Temperaturen um den Gefrierpunkt meinte. So waren die meisten froh, nach eineinhalb Stunden Rundgang durch die Stadt in die gemütlich warmen Schlossstuben entlassen zu werden, um nach der Theorie zur Praxis überzugehen und die köstlichen Erzeugnisse der Metzgerzunft zu verkosten.
Für die nächsten Führungen am 20. Februar, 6. und 19. März gibt es noch Karten bei der Tourist-Information (Marktplatz 9) unter der Telefonnummer 06042/96370 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. . Treffpunkt ist stets um 18 Uhr auf dem Büdinger Marktplatz.
www.buedingen-touristik.de
Büdinger Tourismus und Marketing GmbH | Marktplatz 9 | 63654 Büdingen | Email: info@buedingen-touristik.de | Tel.: 06042 /96370
Öffnungszeiten: Mo - Fr : 10 Uhr bis 17 Uhr / Sa & So : 10 Uhr bis 16 Uhr