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Historische Stadt bedarf steter Pflege

Fachwerkinitiative mit Professor Manfred Gerner im Oberhof

von Jutta Martini - Kreisanzeiger, 21.10.2009

“Büdingen hat große Resourcen. Die Stadt hat eine Bausubstanz, die es nur noch zu fünf Prozent auf der Welt gibt. Und die Häuser sind im Bundesdurchschnitt gesehen gut erhalten. Die Güte der Stadtmauer hat keine andere deutsche Stadt." Der das sagt, weiß, wovon er spricht. Professor Manfred Gerner ist geschäftsführendes Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Historische Fachwerkstädte und Büdingen liegt ihm besonders am Herzen. Deshalb entstand vor einigen Monaten zusammen mit Bürgermeister Erich Spamer die Idee der Fachwerkinitiative, um neue Anstöße für das Fachwerk in Büdingen zu geben.

 

Die erste Veranstaltung war ein großer Erfolg. 60 Teilnehmer begrüßten Gerner und Christina Burkhardt, Leiterin der Büdinger Tourist-Information, jetzt im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhofes zu einem Seminar für Fachwerkhausbesitzer.

 

Dort erhielten Hauseigentümer Informationen über die Pflege ihrer Fachwerkimmobilie, Möglichkeiten der Finanzierung und einen Überblick über die Altstadtsanierung. Seit 1985 ist die Altstadt Sanierungsgebiet. Das Programm nach dem Städtebauförderungsgesetz bewegte vieles in dem ummauerten, etwa zehn Hektar großen Areal, berichtete Stadtplaner Rainer Tropp. 20 Millionen Euro an Zuschüssen flossen in die Sanierung öffentlicher und privater Gebäude und Straßen, noch einmal den gleichen Betrag steckten Stadt und Privatleute in die Sanierung.

500 Gebäude, davon 480 Fachwerkhäuser, befinden sich hinter den Stadtmauern. Von den 290 Wohnhäusern sind 100 Einzelkulturdenkmäler. Dazu kommen die Stadtmauer und ihre 22 Türme und Halbtürme. In den fast 30 Jahren der Altstadtsanierung wurden etwa 200 Sanierungsverträge auf privater Ebene abgeschlossen, führte Tropp aus, und damit etwa zwei Drittel der Privathäuser instand gesetzt.

Das Programm ist mittlerweile ausgelaufen, doch die Stadt bemüht sich, in das Anschlussprogramm “Städtebaulicher Demkmalschutz³ aufgenommen zu werden. Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten viel zum Erhalt der historischen Substanz unternommen wurde, kann man sich nicht zurücklehnen.

“Eine historische Stadt wie Büdingen bedarf kontinuierlicher Pflege", so Gerner. Um dies privaten Hauseigentümern zu erleichtern, hatte Gerner eine “Checkliste Fachwerkhausüberwachung³ entwickelt. Jährlich sollten Eigentümer anhand der Liste ihre Häuser kontrollieren. Schwerpunkte sind dabei das Dach, die Dachentwässerung, Sockel und Schwellen sowie Wände und Decken innen und außen.

“Wer handwerklich begabt ist, kann kleinere Reparaturen selbst ausführen", sagte der Fachmann, der aber auch weiß, dass das Wissen um die Besonderheiten der Fachwerkbauweise in den vergangenen Jahrzehnten fast verloren gegangen ist. Größere Reparaturen sollten deshalb nur von Fachbetrieben durchgeführt werden.

Über Finanzierungsmöglichkeiten informierte Sparkassen-Vertriebsdirektor Michael Gietzen. Die Bedingungen seien derzeit sehr günstig. Für Hausbesitzer gebe es besondere Kreditangebote der Geldinstute und der KfW-Bank. Vor dem Gespräch mit der Bank sollte sich der Eigentümer von einem Architekten und seinem Steuerberater beraten lassen, erklärte er. Gut erhaltene Fachwerkhäuser erhöhen nicht nur die Lebensqualität ihrer Bewohner, sie sind in Büdingen auch das Zugpferd für den Tourismus, denn das historische Stadtbild bleibt so erhalten.

Die Stadt habe viele Alleinstellungsmerkmale, ist Gerner sicher. Dazu gehören das geschlossene mittelalterliche Altstadtbild, die fast geschlossene Stadtmauer mit einer Länge von 2,5 Kilometer und die lebendige, weil bewohnte Schlossanlage. In dieser Kombination sind das Pfunde, mit denen Büdingen wuchern kann. Dass in Büdingen bisher der Tourismus noch nicht wie in anderen Fachwerkstädten wie Heidelberg oder Rothenburg ob der Tauber boomt, führt der Experte auf die relativ kurze Vermarktung der Stadt zurück. Um die touristische Vermarktung Büdingens zu stärken und neue Impulse zu erhalten, schloss sich am nächsten Tag ein Seminar für Gästeführer mit Theorie und Praxis an. Erörtert wurde dabei unter anderem, wie mit neuen Programmpunkten die Attraktivität Büdingens für Reisende weiter gefördert werden kann.

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