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"Das es so kalt ist, verführt nur zum engeren Kuscheln“

Romantische Stadtverführung in Büdingen - Heiratsantrag generalstabsmäßig geplant

von Monika Eichenauer

"Sag' mal, weißt Du vielleicht einen genialen Ort für einen Heiratsantrag am Valentinstag?", fragte vor Wochen der Bad Nauheimer Sebastian Eckert seinen Freund, den er schon aus gemeinsamen Pfadfinderzeiten kennt. "In Büdingen wird am Valentinsabend eine romantische Stadtverführungstour durch die historische Altstadt angeboten, mit anschließendem Candlelight-Dinner. Wär´ das was?", lautete die Antwort des Freundes.

valentineckertgenschUnd es war was: Die überraschte Braut sagte auf dem Wehrgang zwischen Bollwerk und Hexenturm bei Kerzenlicht "Ja" - und so feiern Stephanie Gensch und Sebastian Eckert demnächst Hochzeit. Die beiden waren für diesen ganz intimen Moment der Zweisamkeit alleine auf dem Wehrgang zurückgeblieben, wo vorher etwa 15 Paare bei der vorletzten Station der romantischen Stadttour den fantastischen Blick über die nächtliche Altstadt mit Schloss, Marienkirche und Oberhof genossen - bei Kir Royal, Fackeln und Kerzenschein.

Zuvor hatte "Stadtverführer" Markus Karger den Paaren aus allen Generationen in einer besonderen Führung im Zeichen des Kusses, der Liebe und Ehe die Altstadt näher gebracht. "Es war super. Wir haben die Tour so genossen. Es war alles so schön abgestimmt für liebende Paare. Wir waren am Rathaus, an der Marienkirche, im Oberhof und haben viel gelernt über Liebes- und Hochzeitsbräuche im Mittelalter. Und hier oben auf dem Wehrgang ist es wunderbar romantisch, mit den Kerzen, den schön gedeckten Tischen und dem Sekt.

Das haben wir uns jetzt einfach einmal gegönnt, auch wenn wir schon so lange verheiratet sind", strahlen Monika und Edwin Röder aus dem Birsteiner Ortsteil Bös-Gesäß im Main-Kinzig-Kreis. Dick vermummelt genießen sie Kir Royal und die Gesellschaft inmitten Gleichgesinnter. Die Köhlers haben eine 21-jährige Tochter, die beiden Söhne sind 17 und elf Jahre alt. Ebenfalls schon 17 Ehejahre hinter sich haben Ingrid und Hartwig Knaus aus Wolf. Die Freude über den romantischen Valentinstag steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Eingeladen hat Gattin Ingrid ihren Hartwig.

"Ich bin kürzlich 50 Jahre geworden und habe beschlossen, öfter mal die Initiative zu ergreifen, für uns etwas Schönes zu arrangieren. Es ist hier alles sehr gelungen. Jetzt geht es noch zum Abendessen bei Kerzenschein in das Restaurant `Schlossstuben`, so ist der Abend richtig rund und unvergesslich", freuen sich die Eheleute. Ganz frisch verheiratet, nämlich seit August, sind die beiden Mittdreißiger Silvia und Michael Thorwest aus Calbach. "Die Atmosphäre hier oben auf dem Wehrgang ist traumhaft. Die Damen vom Tourismusbüro haben alles so liebevoll dekoriert und hergerichtet.

Die schön geschmückten Tische, der Kir Royal mit den Malvenblüten im Glas, der geheimnisvolle Nebel über den Dächern der Stadt - einfach zauberhaft. Vorher der Gang durch die Altstadt mit den zahlreichen Informationen über die Hochzeitsbräuche im Mittelalter - man fühlt sich wie in einer Zeitreise. Und dass es so kalt ist, macht gar nichts, es verführt nur zum engeren Kuscheln", schmunzeln die Jungvermählten. Mit der Idee zur "Stadtverführung" am Valentinsabend hatte Christiane Burkhardt, die neue Leiterin des Touristik-Centers, voll ins Schwarze getroffen. "Wir hätten die Tour zwei, drei Mal verkaufen können, so groß war die Nachfrage. Was mich erstaunte und sehr freut, war, dass vor allem die Männer die Tour gebucht haben, als Überraschung für ihre Gattinnen.

Und unser junger zukünftiger Bräutigam, Herr Eckert, hat keine Mühen gescheut und alles detailliert mit uns abgesprochen. Er hat einen dicken Rosenstrauß für seine Braut besorgt und Sekt für den entscheidenden Moment, also Romantik ist nach wie vor gefragt." Sie und ihre beiden Helfer Elke und Wilfried Appel waren angetan vom Leuchten in den Augen der Paare. Stadtverführer Markus Karger hatte allerhand Information zu Liebe und Ehe parat: Er sprach von der "Curtetia". Liebe, die von der Ferne und der Sehnsucht lebt.

Und von der "Mundehe", bei der Braut- und Bräutigamvater die Partner aussuchten und die Ehe durch den Segen des Brautvaters geschlossen wurde. Die Hochzeitsnacht im Beisein von Zeugen und die Morgengabe waren der rechtlich bindende Akt, dass die Ehe vollzogen war. Erst im 13. Jahrhundert kam die "Consens-Ehe" auf. Hier erst kam auch der Wille der Frau zum Tragen, wenn zwei Liebende vor einem Dritten, in der Regel einem Pfarrer, sich die Ehe aus freiem Willen versprachen. "Zum Glück haben wir heute mitzureden, wenn´s ums Heiraten geht", lachten zahlreiche Ehefrauen. Auch das zukünftige Hochzeitspaar, das gerade eine neue Wohnung bezogen hat, ist gleichberechtigt und scheint formidabel zusammenzupassen: Die junge Frau hatte erst vor drei Nächten von einem Heiratsantrag ihres Liebsten geträumt, ihm den Traum aber nicht verraten - und jetzt ist er wahrgeworden ... 3. Mrz 2008

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